Thursday, 12 July 2012

Mütter vorgestellt: Steffi


Wir freuen uns, heute Steffi als Gast zu haben. Die super-kreative Mutter einer Tochter und auch bald eines kleinen Sohnes lebt mit ihrer Familie in Österreich, bloggt und betreibt einen kleinen Dawanda-Shop.
Auf ihrer Internetseite Herzekleid schreibt sie nicht nur über ihre Näh- und Strick-Projekte für Kinder, sondern auch über ihre vielen anderen Interessen und Dinge, die sie mag. Dazu gehören auch leckere Rezepte, wie z.B. für den Linsenburger, den ich unbedingt bald mal nachkochen möchte.

Kinder wollte ich immer schon haben, eigentlich mindestens fünf  - inzwischen finde ich zwei auch ganz gut. :-) Meine Tochter ist vier Jahre alt; jetzt bin ich wieder schwanger, und wir erwarten die Geburt unseres Sohnes für Anfang September.
Mein Leben als Single, die Zeit als ich weder Mutter war noch in einer Partnerschaft gelebt habe, erscheint mir oft – auch wenn es in Jahren gerechnet gar nicht so lange her ist, sehr sehr fern. Damals hab ich in verschiedenen Jobs gearbeitet (ohne den Traumberuf gefunden zu haben), hatte natürlich auch Verpflichtungen und öfters mal Stress oder Termindruck, aber wenn dann Feierabend war, dann hatte ich wirklich frei! Und wenn ich Urlaub hatte, dann hatte ich wirklich Urlaub. Als Mutter hingegen habe ich einen 24-Stunden-Job, 365 Tage im Jahr.
Seit ich Mutter bin, hat sich mein Leben also sehr stark verändert. Es ist um viele wundervolle Momente und Erfahrungen reicher geworden, ich selbst bin an vielen Herausforderungen letztendlich gewachsen. Ich bin gerne Mutter und es macht mich glücklich! Trotzdem ist es mir  sehr wichtig, zu sagen, dass das Mutter-Sein oft ein wirklich harter Job ist (der mehr Wertschätzung verdient!) und rein gar nichts zu tun hat mit den Bildern von sanft lächelnden Frauen mit hübschen Kindern in der Windel- oder Babynahrungs-Werbung. Als meine Tochter noch ein ganz kleines Baby war, war ich erst einmal überwältigt von der großen Verantwortung, die plötzlich auf mir gelastet hat. Ich bin sicher, viele junge Eltern fühlen sich ebenso verunsichert und überfordert und wollen dabei nichts als das Beste für ihr Kind.  Natürlich war meine Freude, ein Baby zu haben, groß, aber genauso groß waren ein übermächtiges Pflicht- und Verantwortungsgefühl. Dieser enorme (selbstverursachte) Druck, nur niemals einen Fehler zu machen, hat mich eine Zeit lang ganz auf meine eigenen Bedürfnisse vergessen lassen. Ich hatte richtig verlernt, wie es ist, zu entspannen, ständig war ich in Bereitschaft und auf irgendein Unglück gefasst. Mittlerweile kann ich wieder gelassener sein und Dinge auch einfach mal auf mich zukommen lassen, aber das war kein leichter Lernprozess. Besonders hart war für mich auch der Schlafentzug! Dass Babys in der Nacht aufwachen und gestillt werden wollen, war mir klar. Dass das anstrengend werden würde, auch. Dass es SO kräfteraubend sein würde, allerdings nicht. Dazu kommt, dass unsere Tochter immer besondere Probleme mit dem Schlafen hatte und auch jetzt, mit über vier Jahren, noch hat. Zeitweise hat mich das wirklich an den Rand der physischen und psychischen Erschöpfung gebracht – da war vom idyllischen Bild einer glücklichen jungen Mama nicht mehr viel zu sehen.
Inzwischen fühle ich mich in meiner Rolle als Mutter (die nicht die einzige Rolle ist, die ich ausfülle) sehr wohl. Ich freue mich, dass wir bald ein zweites Kind bekommen werden, auch wenn dann wieder alles neu sein wird. Ich hoffe aber, aus meinen Erfahrungen gelernt zu haben und auch den neuen Alltag mit zwei Kindern meistern zu können.
Meine Tochter ist jetzt das erste Jahr halbtags in den Kindergarten gegangen (gerade haben die Sommerferien begonnen). Diese Vormittage alleine nutze ich als Zeit für mich selbst und unter anderem auch, um berufliche Pläne ins Laufen zu bringen. Gleichzeitig Mutter zu sein, einer weiteren (bezahlten) Arbeit nachzugehen, den Haushalt irgendwie zu meistern und dann noch für den Partner da zu sein und Kontakte mit Freunden zu pflegen – das ist oft sehr viel und ich glaube fast, niemand schafft es, alle diese Punkte immer alle gut zu erfüllen.
Das Mutter-Sein/Das Eltern-Sein ist, so empfinde ich es, von vielen Widersprüchen begleitet. Oft werden dabei Extreme gegeneinander aufgewogen. Letztendlich bleibt nur die Möglichkeit, für sich selbst einen Weg zu finden, mit dem alle Beteiligten am besten klar kommen. Als meine Tochter zwei, zweieinhalb Jahre alt war, wurde ich mehrfach verwundert gefragt, warum ich denn noch immer nicht arbeiten gehen würde!? Der Vorwurf ist laut geworden, dass ich mich so in eine völlig unemanzipierte, freiwillige (finanzielle) Abhängigkeit von meinem Partner begeben würde und ob ich meiner Tochter wirklich ein solches Rollenbild vorleben möchte?! Das hat mich nicht nur erstaunt, sondern auch verletzt und einem gewissen Druck ausgesetzt.
Diskussionen, ab wann das Kind was essen darf, ob es im Elternbett schläft oder alleine, welche Regeln und Grenzen man als Eltern aufzustellen hat, ob Schnuller jetzt verboten gehören oder doch hilfreich sind, wie lange gestillt werden soll.... etc. haben meiner Meinung nach wenig Sinn. Es gibt da keine allgemeingültigen Grundsätze, in Erziehungsfragen und in Fragen des Zusammenlebens muss jede Familie selbst entscheiden und jeweils die für sie beste Lösung finden. Für uns war so eine Lösung zum Beispiel eben die, dass ich in den ersten Jahren zuhause bei unserer Tochter bleibe (und jetzt auch wieder bei unserem Sohn) – und zwar nicht grundsätzlich, weil ich die Frau bin (und mein Partner der Mann, der deshalb zwangsläufig außer Haus arbeiten muss), sondern weil es in dieser Situation für uns so am besten funktioniert hat.
Was ich außerdem gelernt habe, ist, dass das Leben mit Kindern nur sehr bedingt planbar ist. Wie oft ist unsere Tochter genau vor einem Fest oder einer Reise krank geworden?! Wie oft ist sie ganz unerwartet in einen Wutanfall ausgebrochen, mitten in der unpassendsten Situation, wie oft hat sie sich ganz einfach geweigert, weiterzumachen, gerade dann, wenn ich einen dringenden Termin hatte?! Das kennen wohl alle Eltern, und in solchen Situationen hilft es nur, flexibel zu sein, Pläne umzukrempeln und Prinzipien auch mal Prinzipien sein zu lassen. Ich bin durchaus der Meinung – obwohl Konsequenz und das Einhalten von Regeln natürlich sehr wichtig sind – dass man es sich ab und zu auch einfach mal leicht machen darf. Die Welt geht nicht unter, wenn das Kind mal später ins Bett kommt, auf einer langen Autofahrt mit einer Nascherei „ruhig gestellt“ wird oder schon mal eine DVD ansehen darf, damit ich in Ruhe eine Arbeit erledigen kann.
Das Alltagsleben mit Kindern ist also nicht immer rosig und nur wunderschön – aber es gibt sie doch, die ganz besonderen und kostbaren Momente, und es stimmt, dass sie all das Anstrengende bei weitem aufwiegen! Besonders gerne bin ich mit meiner Tochter (und meinem Partner) in der Natur unterwegs. Ich liebe es auch, mit ihr zu basteln oder ihr gemütlich aneinander gekuschelt etwas vorzulesen. Meistens versuchen wir einfach, unsere Tochter am Alltag teilhaben zu lassen – sie hilft zum Beispiel auch gerne und schon sehr geschickt beim Kochen und Backen; ich glaube nicht, dass es immer irgendwelche „Events“ braucht oder zahlreiche Kurse, um ein Kind zu unterhalten. Am schönsten ist es für mich, wenn ich merke, dass meine Tochter einfach glücklich ist, wenn sie völlig unbeschwert ist, unvoreingenommen, einfach sie selbst, wenn sie gedankenverloren vor sich hin singt, wenn sie lacht, wenn sie ganz in einer Tätigkeit oder einem Spiel versinkt oder sich für eine Sache maßlos begeistern kann. Ihr Wissensdurst und ihre Neugier, ihre unbändige Fantasie, ihr „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ - all das und vieles mehr  macht mich unendlich stolz, ihre Mutter zu sein.
Klar, wie auf jeden anderen Menschen ebenso, bin ich auch auf mein Kind manchmal wütend, oder ich fühle mich genervt oder verletzt, aber das ist auch in Ordnung so. Da ist nämlich so viel Liebe, bedingungslose Liebe, mehr, als ich je gedacht hätte, auf beiden Seiten – ein Gefühl, das ich gar nicht wirklich beschreiben kann. Und das sind die schlaflosen Nächte und die Wutanfälle in der Öffentlichkeit allemal wert!


Danke, Steffi, für die schönen Einblicke! Der schwierigen Planbarkeit mit Kindern kann ich nur zustimmen. ;-)
Mehr von Steffi gibt’s auf ihrem Blog oder in ihrem Dawanda-Shop.

xx Michelle

8 comments:

  1. So schön und so wahr! Ein wahnsinnig tolles Interview!

    Liebste Grüße, Sindy

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  2. Hach, was ein sehr sehr schönes Interview <3 <3 <3 :)


    Liebste Grüße
    Nike

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  3. Sehr schön geschrieben Steffi! Wir versuchen auch unsere Kinder (2 Mädchen) eher „am Alltag teilhaben zu lassen“ als sie mit irgendwelchen Kursen zu überladen, es macht Ihnen (noch) Spass kleine Aufgaben im Haushalt zu übernehmen, dadurch dass sie Verantwortung dafür haben, fühlen sie sich auch ernst genommen.

    LG,
    Nadine

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  4. Was für ein wunderbarer Text mit so viel Wahrheit und Wärme.
    Nina

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  5. So wahre Worte übers Muttersein.
    Bei so vielem kann Ich nur zustimmenden Nicken.
    Herzlich
    Eos

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  6. Du sprichst mir aus dem Herzen! Danke.

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  7. Wie wunderbar.
    Ich bin beeindruckt, wie gut Du alles in Worte fassen kannst.
    Das ist wirklich ein sehr berührender Text, ich fühle mich sehr angesprochen.
    Ein herzlicher Gruß von Mutter zu Mutter. ;)

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